30.03.2007
Der UN-Menschenrechtsinspektor Vernor Muñoz hat in seinem Bericht vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf erneut das dreigliedrige deutsche Schulsystem kritisiert. Der Jura-Professor aus Costa Rica kritisiert insbesondere eine Diskriminierung von Kindern aus ärmeren Elternhäusern, Migrant/innen und Menschen mit Behinderung.
Anlässlich der wiederholten UN-Kritik am deutschen Schulsystem erklären die hessischen Jungsozialisten:
„Die wiederholte Kritik des UN-Menschenrechtsinspektors Muñoz nach seinem Besuch deutscher Bildungsstätten vor einem Jahr ist ein alarmierendes Signal für die Bildungspolitik in Hessen und in Deutschland. Schon die PISA-Studie hat attestiert, dass Bildung wie in keiner anderen Industrienation von dem sozialen Status der Schülerinnen und Schüler abhängt. Seit dem PISA-Schock im Jahr 1999 hat sich aber politisch auf Landes- und Bundesebene nicht viel getan. Wir fordern nun endlich eine offene gesellschaftliche Debatte um eine grundlegende Erneuerung des Schulwesens“ erklärt die JUSO-Landesvorsitzende Solveig Golz.
„Die Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems ist eine Kernfrage der sozialen Gerechtigkeit. Die heutige Organisation unserer Schulen benachteiligt massiv Kinder aus sozial schwachen Schichten. Durch das dreigliedrige Schulsystem wird zudem trotz der sozialen Selektion an unseren Schulen keine Leistungselite geschaffen, aber eine große Anzahl an Bildungsverlieren. Wir erwarten von der Landesregierung um Roland Koch umgehend eine Stellungnahme zu der Expertise von Vernor Muñoz. Koch und Wolff dürfen nicht mehr länger die Augen vor der Lebensrealität der Menschen in Hessen verschließen. Wir Jusos wollen mit längerem gemeinsamen Lernen und individueller Förderung in echten Ganztagsschulen endlich Schluß machen mit Ausgrenzung und Mittelmaß im Schulsystem“ erklärt der stellv. JUSO-Landesvorsitzende Felix Diehl.
„Die frühe Aufteilung in unterschiedliche Schulzweige ist nach Muñoz insbesondere auch pädagogisch unsinnig. Wir Jusos haben diese Kritik schon lange vorgetragen: Es ist nicht möglich schon nach der Grundschule über den späteren Lebensweg von Kindern zu entscheiden! Da Hessen insbesondere bei der Benachteiligung von Kindern mit Eltern, die sich illegal in Deutschland aufhalten, negativ hervorgehoben wird erwarten wir umgehend konkrete Schritte der Landesregierung zur Verbesserung deren Situation. Das Menschenrecht auf Bildung muss für alle Kinder gelten. Zudem gilt es durch integrative Unterrichtsformen in heterogenen Lerngruppen auch Menschen mit Behinderungen in hessische Schulen zu integrieren. Es ist beschämend, dass Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung auch heute noch von der Teilhabe an allgemeiner Bildung ausgeschlossen und auf Sonderschulen abgeschoben werden. “ schließt Christoph Degen, südhessischer JUSO-Bezirksvorsiztender und stellvertretender JUSO-Landesvorsitzender.
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