Hessens Schulen

Die internationalen Vergleichsstudien - PISA und alle Nachfolgestudien der OECD - haben es uns deutlich vor Augen geführt: Das deutsche Schulsystem ist alles andere als leistungsfähig.

Deutschland lässt sich Bildung im internationalen Vergleich zu wenig kosten und schöpft seine Begabungsreserven nicht annähernd so konsequent aus wie andere Länder. In kaum einem anderen Land hängt die schulische Karriere dermaßen vom Einkommen der Eltern ab wie bei uns.

Die Situation in Hessen:

Insbesondere in Hessen setzt die derzeitige Landesregierung dabei auf Selektion statt auf Förderung, auf Druck und Strafe statt auf Pädagogik und auf den Geldbeutel der Eltern statt auf die Leistungsfähigkeit des Schulsystems. Die Kinder werden so früh wie möglich in angeblich homogene Lerngruppen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule) eingeteilt und ein Wechsel zwischen den Schulformen ist nur noch „nach unten“ möglich. Dadurch werden den jungen Menschen zu früh Wege für ihre weitere Entwicklung verbaut. Alles was nicht in dieses Bild von diesem Drei-Klassen-Schulsystem passt, wird ungeniert durch gesetzliche Regelungen um seine Existenzgrundlage gebracht - auch wenn dies beispielsweise zu Lasten der Bildungsqualität auf dem Land geht. Durch die Einführung von Mindestklassengrößen steht sogar die flächendeckende Schulstruktur im ländlichen Raum auf dem Spiel.

Die Schulzeitverkürzung im Gymnasium („G8“) bedeutet nicht nur mehr Stress und Leistungsdruck, sondern behindert auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. Gleichzeitig wird die Einführung von echten Ganztagsschulen blockiert.

Bildung ist nicht nur ein Wert an sich sondern auch der einzige nennenswerte Rohstoff , über den wir in der Bundesrepublik verfügen.

Universalschule

Was wir brauchen ist ein strikter Systemwechsel hin zu mehr statt weniger Bildung, hin zu individueller Förderung und hin zu echtem Lernen fürs Leben in Universalschulen.

Deshalb fordern wir Jusos für Hessen:

Die Abschaffung der Dreigliedrigkeit

Ein zentraler Grund für das gefährliche Hinterherhinken des deutschen Bildungssystems ist die Dreigliedrigkeit. Diese gilt längst international als nicht mehr vermittelbar: Die Trennung in unterschiedliche Schulformen geht von der Illusion homogener Lerngruppen aus - diese gibt es schlichtweg nicht; jeder Mensch lernt unterschiedliche Dinge unterschiedlich schnell und gut.

Mehr Individuelle Förderung

Dabei ist es beileibe nicht so, dass durch die Aufgabe der Dreigliedrigkeit besonders begabte Schülerinnen und Schüler benachteiligt werden. Das Gegenteil trifft zu: Erst durch den gemeinsamen Unterricht werden die Kapazitäten geschaffen, die eine individuelle Betreuung – und damit eben auch eine individuelle Begabungsförderung – überhaupt ermöglichen. Alle SchülerInnen erhalten so bis zum Ende ihrer Schullaufbahn stets die Möglichkeit, sich gemäß ihrer individuellen Veranlagung und ihrem individuellen Lerntempo zu entwickeln.

Und ganz nebenbei erwerben sie zusätzliche soziale Fähigkeiten, die ihnen in ihrem Leben ebenfalls von Nutzen sein werden.

Echte Ganztagsschulen

Dazu tragen auch echte Ganztagsschulen bei, die über den Rahmen einer mittäglichen Suppe und Hausaufgabenbetreuung hinaus gehen. Sie erst machen aus der Schule einen Lebensraum, in dem sich die Schülerinnen und Schüler wohl fühlen - mit deutlichen Auswirkungen auf die Lernmotivation und Lernleistung.

Unterricht neu denken

Statt künstlicher Fächertrennung und starrem 45-Minuten-Takt brauchen wir ein Schulsystem, in dem die Schülerinnen und Schüler lernen in komplexen Zusammenhängen zu denken und gegenseitige Abhängigkeiten von Prozessen zu analysieren. Das Zentralabitur lehnen wir ab. Unterricht muss sich stärker am Zeitgeschehen und dem Lebensinhalt der SchülerInnen, beispielsweise im Projektunterricht, orientieren.

Qualität sichern

Wir brauchen Profis in den Schulen. Wir wollen, dass in kleineren Klassen gut ausgebildete Lehrkräfte, unterstützt durch Sozial- und Sonderpädagogen, unterrichten. Unterrichtsausfall darf es nicht mehr geben. Dafür sind Vertretungsreserven mit qualifizierten Lehrkräften zu schaffen.

Weitere Informationen: Schulpolitische Agenda der Jusos (PDF)