Die internationalen Vergleichsstudien - PISA und alle Nachfolgestudien der OECD - haben es uns deutlich vor Augen geführt: Das deutsche Schulsystem ist alles andere als leistungsfähig.
Deutschland lässt sich Bildung im internationalen Vergleich zu wenig kosten und schöpft seine Begabungsreserven nicht annähernd so konsequent aus wie andere Länder. In kaum einem anderen Land hängt die schulische Karriere dermaßen vom Einkommen der Eltern ab wie bei uns.
Die Schulzeitverkürzung im Gymnasium („G8“) bedeutet nicht nur mehr Stress und Leistungsdruck, sondern behindert auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. Gleichzeitig wird die Einführung von echten Ganztagsschulen blockiert.
Bildung ist nicht nur ein Wert an sich sondern auch der einzige nennenswerte Rohstoff , über den wir in der Bundesrepublik verfügen.
Was wir brauchen ist ein strikter Systemwechsel hin zu mehr statt weniger Bildung, hin zu individueller Förderung und hin zu echtem Lernen fürs Leben in Universalschulen.
Ein zentraler Grund für das gefährliche Hinterherhinken des deutschen Bildungssystems ist die Dreigliedrigkeit. Diese gilt längst international als nicht mehr vermittelbar: Die Trennung in unterschiedliche Schulformen geht von der Illusion homogener Lerngruppen aus - diese gibt es schlichtweg nicht; jeder Mensch lernt unterschiedliche Dinge unterschiedlich schnell und gut.
Und ganz nebenbei erwerben sie zusätzliche soziale Fähigkeiten, die ihnen in ihrem Leben ebenfalls von Nutzen sein werden.
Dazu tragen auch echte Ganztagsschulen bei, die über den Rahmen einer mittäglichen Suppe und Hausaufgabenbetreuung hinaus gehen. Sie erst machen aus der Schule einen Lebensraum, in dem sich die Schülerinnen und Schüler wohl fühlen - mit deutlichen Auswirkungen auf die Lernmotivation und Lernleistung.
Statt künstlicher Fächertrennung und starrem 45-Minuten-Takt brauchen wir ein Schulsystem, in dem die Schülerinnen und Schüler lernen in komplexen Zusammenhängen zu denken und gegenseitige Abhängigkeiten von Prozessen zu analysieren. Das Zentralabitur lehnen wir ab. Unterricht muss sich stärker am Zeitgeschehen und dem Lebensinhalt der SchülerInnen, beispielsweise im Projektunterricht, orientieren.
Wir brauchen Profis in den Schulen. Wir wollen, dass in kleineren Klassen gut ausgebildete Lehrkräfte, unterstützt durch Sozial- und Sonderpädagogen, unterrichten. Unterrichtsausfall darf es nicht mehr geben. Dafür sind Vertretungsreserven mit qualifizierten Lehrkräften zu schaffen.
Weitere Informationen: Schulpolitische Agenda der Jusos (PDF)